Vorzeitiger Samenerguss

Vorzeitiger Samenerguss wird folgendermaßen definiert: Wenn der Mann beim Sexualakt so früh zum Höhepunkt, dass er den anderen Partner nicht mehr befriedigen kann, dann spricht man vom vorzeitigem Samenerguss. Bei dieser Definition wird jedoch nicht berücksichtigt wie lange die Frau braucht um zum Höhepunkt zu kommen, denn nach dieser Definition muss selbst bei einer Dauer des reinen Sexualaktes von 10 Minuten von einem vorzeitigem Samenerguss ausgegangen werden wenn die Frau noch nicht zum Höhepunkt gekommen ist, der Mann aber bereits ejakuliert hat.

Eine weitere Definition findet einen objektiveren Ansatz um den Vorzeitigen Samenerguss genauer zu Betrachten, hierbei spielt die Dauer des Geschlechtsaktes vom Moment der Penetration des Penis in die Vagina eine entscheidende Rolle. Der Betroffene kann anhand dieser Klassifikation, die sich an ermittelten Normwerten orientiert, besser erkennen ob er betroffen ist.

Klassifikation nach Pullien

Vorzeitiger SamenergussPullien I, Normsituation : Dauer des Geschlechtsaktes bis zum Kontrollverlust über den Ejakulationsreflex, vom Moment des Eindringens in die Vagina bis zum Samenerguss, weniger als sechs Minuten.

Pullien II, relative Normsituation : Dauer des Geschlechtsaktes bis zum Kontrollverlust über den Ejakulationsreflex, vom Moment des Eindringens in die Vagina bis zum Samenerguss, unter vier Minuten.

Pullien III, relative Ejakulatio Praecox: Dauer des Geschlechtsaktes, vom Moment des Eindringens in die Vagina bis zum Samenerguss, unter zwei Minuten.

Pullien IV, absolute Ejakulatio Praecox : Dauer des Geschlechtsaktes, vom Moment des Eindringens in die Vagina bis zum Samenerguss, unter eine Minute.

Ein gelegentlicher Kontrollverlust über den Ejakulationsreflex kommt bei fast allen Männern gelegentlich vor. Als Problematisch muss ein Kontrollverlust in 5 von 10 Fällen betrachtet werden, als krankhaft in über 7 von 10 Fällen.

Vorzeitiger Samenerguss ist keine Krankheit sondern lediglich eine Funktionsstörung. Dies bedeutet: das sich keine körperliche Veränderung finden lässt die dieses Phänomen verursacht. In sehr seltenen Fällen kann die vorzeitige Ejakulation auch das Symptom einer anderen Erkrankung sein.

Ursachen

Vorzeitiger Samenerguss ist ein komplexes Mischphänomen, es spielen sowohl psychologische als auch physiologische Ursachen eine Rolle.

Von der psychologischen Seite spielen vor allem Leistungsdruck und übersteigerte Erwartungen an die männliche Ausdauerfähigkeit eine Rolle.

Von der physiologischen Seite muss von einem hypersensitivitäts (Überempfindlichkeits) Phänomen, insbesondere bei jungen Männern ausgegangen werden. So nimmt man an, dass neuronale Kontrollmechanismen die für die Kontrolle des Ejakulationsreflexes verantwortlich sind stärker auf stimulierende Reize reagieren und somit leichter außer Kontrolle geraten.

Die psychische Drucksituation und die gesteigerte Empfindlichkeit führen häufig zu einem sich selbst unterhaltenden circulus vitiosus (Teufelskreis) der nach erlebten Vorzeitigem Samenerguss bei zunächst einfacher Überempfindlichkeit zu einer Stresssituation mit Angst vor der Vorzeitigen Ejakulation bei folgenden sexuellen Aktivitäten führt. Diese Angst begünstigt den Kontrollverlust.

Vorzeitiger Samenerguss der durch eine Erkrankung verursacht wird, ist sehr selten.